Isabel Hilpp -
 Aus Liebe zum Pferd

 Gedanken, Themen, Neuigkeiten rund ums Pferd


03.01.2021

Chekliste durch den Methodendschungel

Nachdem das Pferd als Arbeitstier langsam ausgedient hatte entwickelte sich die Sportreiterei. Zuerst hatten nur wenige Privilegierte Reitpferde. Heute ist es so normal ein Pferd zu haben wie einen Hund. Unsere Pferde sind Haustiere, Mitarbeiter, Familienmitglieder, Sportpartner...

Und so ist im laufe der Jahre auch die Vielfalt an Methoden, Techniken, Reitweisen und Überzeugungen gewachsen. Verschiedene Reitstile und Ausbildungskonzepte. Aber nicht jede beschäftigt sich nur mit der Reiterei. Es sind viele interessante Aspekte dazugekommen. Bodenarbeit, positive Verstärkung, Freiheitsdressur....alles zum Wohle des Pferdes. Aber eines haben sie alle gemeinsam: Jedes Modell beansprucht für sich das Richtige zu sein.

Blickt Ihr da noch durch? Blau-Gelb? Oder Longenstunde? Leichtigkeit? neueste wissenschaftliche Erkenntnisse? Touches?

Wie kann ich denn feststellen was für mein Pferd das Richtige ist?


So einfach wie schwer. Ich stelle mir immer die Frage: " Funktioniert es ? "

Hört sich simpel an, oder?

Ganz so einfach ist das leider doch nicht, denn ich muss in der Lage sein beurteilen zu können ob etwas funktioniert. Dazu gehört ein gewisses Maß an Wissen über anatomische Zusammenhänge, Reitlehre, Lernverhalten usw.

Und Erfahrung.

Und noch etwas, ich muss ehrlich zu mir selbst sein. Dazu später.


Ich habe hier eine kleine Chekliste für Euch zusammengestellt.


Eine Methode funktioniert wenn:

  • Euer Pferd nach dem Training zufrieden ist
  • Es bewegt sich taktrein und losgelassen
  • Es im laufe der Zeit fitter wird, aufmuskelt ( an den richtigen Stellen!)
  • Euer Pferd athletischer wird. Die Oberlinie bildet sich aus. Die Bewegungen werden harmonischer, kraftvoller. Es spannt sich auf, federt, kann sich gegen Schwer- und Fliehkraft stabilisieren.
  • Es wird schöner, bekommt mehr Ausdruck.
  • Es sieht nach dem Training "runder" aus als vorher.
  • Der Tierarzt kommt nur noch zum impfen. Oder zumindest nicht mehr wegen des Bewegungsapparates.
  • Ihr braucht nicht mehr alle 3 Monate (oder öfter) einen Physiotherapeuten, Chiropraktiker, Osteopathen.

Immer vorausgesetzt Euer Pferd ist grundsätzlich gesund und hat ein passendes Equipment.


Wenn dem so ist, bleibt dabei. Alles richtig gemacht, herzlichen Glückwunsch !!!


Wenn eine Methode nicht funktioniert stellt Ihr das am Verhalten und an der Entwicklung Eures Pferdes fest:

  • die Oberlinie ist schlecht ausgebildet
  • die Wirbelsäule wird oder bleibt sichtbar
  • der Unterhals ist ausgeprägt
  • das Pferd bewegt sich schwerfällig
  • es hat oder bekommt Taktfehler
  • Rittigkeitsprobleme stellen sich ein
  • das Pferd wird widersetzlich beim Training
  • Euer Pferd bekommt Überlastungsschäden wie z.B. Fesselträger- und Sehnenschäden
  • Es hat immer wieder die Blockaden an den gleichen Stellen

 Um nur einige zu nennen.

Wenn ich diese Entwicklung feststelle steht eine grundsätzliche Neueinschätzung der Situation an.

Als erstes überprüfe ich:

  • habe ich verstanden wie die Methode funktionieren soll?
  • kann ich alles schon richtig umsetzten?
  • hat mein Pferd verstanden was es tun soll?
  • kann mein Pferd es körperlich und mental umsetzen?
  • funktioniert es bei meinem Trainer, meiner Trainerin?


Wenn die Methode bei meinem Trainer, meiner Trainerin funktioniert aber bei mir noch nicht so wirklich, steht Weiterbildung an. Und zwar meine.

Damit wären wir beim Thema Ehrlichkeit. Wenn ich möchte dass sich eine Situation verbessert dann muss ich ehrlich zu mir selbst sein.

Ich muss vielleicht so ehrlich zu mir sein mir einzugestehen dass ich etwas noch nicht kann. Das ist nicht weiter tragisch. Es gibt kompetente Menschen die es mir beibringen können oder vielleicht sogar für mich übernehmen.

Weiterhin muss ich vielleicht ehrlich genug zu mir sein um anzuerkennen dass diese Methode oder Reitweise für die Voraussetzungen meines Pferdes nicht geeignet ist. Ein Pferd mit einer großen Amplitude, einem langen Rücken und langen Hebeln kommt wahrscheinlich mit einem Westernsattel nicht klar. Das liegt in der Natur der Sache, auch wenn ich das noch so gerne möchte.

Vielleicht muss ich mir auch eingestehen das mein Pferd nicht die Voraussetzungen dafür mitbringt das leisten zu können was ich mir vorstelle. Wenn ich ein eher weiches (Bindegewebe), niedrigtoniges (Muskulatur) Pferd habe wird es wahrscheinlich kein Distanzpferd werden.

Ich muss berücksichtigen dass es verschiedene Pferdetypen gibt die ich individuell, ihren Bedürfnissen entsprechend, trainieren muss um ihnen gerecht zu werden. Körperlich und mental.

Für mich stellt sich bezüglich der Qualität einer Methode immer die Frage der Übertragbarkeit.

Kann ich mit den Grundlagen dieser Methode jedes Pferd, gleich welcher Rasse und welcher Reitweise gleichermaßen, gesunderhaltend trainieren?

Wenn dem so ist funktioniert eine Methode oder Lehre meiner Meinung nach.

Außerdem schaue ich mir immer die Pferde meiner Trainer und deren Reitschüler an. Das ist im allgemeinen ein ziemlich sicherer Anhaltspunkt um sich selbst ein Bild zur Funktionalität einer Methode machen.

Sieht man Fortschritte? Hat ein Pferd nach jahrelangen Training immer noch Löcher seitlich der Wirbelsäule? Geht ein Pferd zwar in Aufrichtung macht aber kurze Trippelschrittchen? Die Nase zwar vor der Senkrechten aber der Rest sieht aus als gehöre er zu einem anderen Pferd? Können die Pferde zwar vermeintlich alle Arten von Seitengängen aber ein einfaches, taktreines, aufgespanntes Vorwärts - Abwärts auf großen Linien ist nicht möglich?

Wird das Verhältnis von Pferd und Reiter mir der Zeit harmonischer? Werden die Bewegungen kraftvoller, geschmeidiger, ausbalancierter...?

Das sind in der Regel ganz verlässliche Merkmale um mir ein Bild von der Funktionalität einer Methode zu machen.

Kleiner Geheimtipp: Wenn Ihr euch an die Abfolge der Ausbildungsskala haltet kann  eigentlich nix schief gehen ;-) Gerne auch mal wieder einen Schritt zurück.



26.12.2020

Jo - ein Shetty gibt nicht auf                                   


Im Spätsommer diesen Jahres kam ich zum ersten mal zu Jo nach Karlsruhe. Seine Familie und er hatten schon einiges ausprobiert, leider ohne zufriedenstellenden Erfolg.

Der 18-jährige Wallach kam, aus schlechter Haltung, über den Tierschutz zu seiner jetzigen Familie und brachte eine chronische Atemwegserkrankung mit. Auch der Umzug in einen tollen Offenstall, bedampftes Heu und sowohl tierheilkundliche als auch tierärztliche Behandlung brachten keinen Erfolg. Allerhand Allergien und extreme Atemnot setzten dem kleinen Wallach ziemlich zu.

Als ich ihn zum ersten mal sah bekam er alles was die Schulmedizin hergab. Kortison, Bronchenerweiter, Schleimlöser... nichts half. Rießige Nüstern, sehr schnelle Atmung, Giemen und Pfeifen auf der Lunge. Ich muss gestehen, mein erster Gedanke als ich den kleinen Kerl sah war: "Wie bring ich der Frau bei dass das nichts mehr wird?"  Ich war mir ziemlich sicher dass das Lungengewebe zerstört war. Selbst Akupunktur hatten sie schon probiert. Naja, aber man gibt eben nicht auf ohne alles probiert zu haben.

Eigentlich war die Überlegung ob Jo eine Kur im Solehänger bekommen sollte, mir war sein Zustand dafür aber zu instabil. Der Solehänger wirkt sehr stark schleimlösend und wenn er den nicht abhusten kann besteht die Gefahr dass er daran erstickt. Also haben wir uns gemeinsam dazu entschieden hier sehr vorsichtig vorzugehen und mit einer grundlegenden chinesischen Diagnostik zu beginnen. Ich habe ihn bei der ersten Behandlung akupunktiert und parallel eine phytotherapeutische Tinktur eingesetzt. Zudem hatten wir vereinbart langsam und sehr kontrolliert den Bronchenerweiterer abzusetzen. Zeitgleich hat ihn seine Besitzerin mit dem Flexineb und der 6%igen Solelösung inhaliert. Immer mit dem Hinweis sofort abzubrechen falls sich irgendwas verschlechtert.

Nach wenigen Tagen bekam ich die Rückmeldung sie habe das Gefühl es tue ihm gut. Sie hatte sich zudem ein tragbares Sauerstoffgerät besorgt und führte ihm so, in der Maske des Flexinebs, Sauerstoff während der Inhalation zu. Eine tolle Idee!!!

Die Maßnahmen zeigten deutlich Wirkung. Bei meinem zweiten Besuch  war seine Atmung zwar noch recht angestrengt aber deutlich besser. Er schien sich auch wohler zu fühlen, der typische Shetty Schalk kam schon wieder zum Vorschein. In der Lunge hörte man nun zwar noch deutliche Geräusche aber man merkte auch dass sich was löst. Wir setzten nun langsam alle schulmedizinischen Medikamente ab. Der Zustand blieb gut.

Bei meinem letzten Besuch hätte ich, auf den ersten Blick, fast nicht mehr gesehen dass Jo Atemwegsprobleme hat. Wache Augen, relativ entspannte Atmung, kaum mehr Bauchatmung. Mittlerweile wird er auch immer mal wieder ein bißchen getrabt und galoppiert.

Keine Frage die Lunge hat strukturelle Schäden, da können wir nichts reparieren. Aber durch die ursächliche chinesische Diagnostik komme ich an die Ursache des Problems und kann probieren die körpereigenen Defizite langfristig zu beheben. Das ist nicht immer in Gänze möglich, dennoch besteht die reelle Chance Symptome zu lindern und so mehr Lebensqualität für den Patienten zu erreichen.

Jo wird weiterhin inhaliert und durch Akupunktur, Phyto - und Mycotherapie unterstützt. Aktuell ist er recht stabil, trotz Fell - und diverser Wetterwechsel.

Ich drücke uns alle Daumen dass das so bleibt und eventuell vielleicht noch ein bisschen besser für den kleinen Kämpfer wird.

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